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Kann man Träume beeinflussen?
Menschen träumen seit Urzeiten. Und mindestens ebenso lange beschäftigen sich Spiritualisten, Wissenschaftler, Gelehrte, Priester etc. mit der Deutung bzw. mit der Beeinflussung unserer Träume. Systematisch wurde die Auseinandersetzung gegen Ende des 19. Jahrhunderts, als der Arzt und Neuropsychiater Jean-Baptiste Gélineau 1880 das vollständige Erschlaffen unserer Muskulatur während der Traumphase feststellt.
Eine der grundlegenden Fragen lautet: Kann man Träume beeinflussen? Und wenn ja: Wie funktioniert das? Kleiner Spoiler: Die Antwort lautet „Jein“. Eine direkte Steuerung im Sinne von „Heute Nacht will ich von Delfinen träumen!“ ist nicht möglich. Mit unserem Verhalten während des Tages können wir aber sehr wohl Einfluss darauf nehmen, in welche Richtung sich unsere Träume möglicherweise entwickeln.
Wir haben versucht, Antworten auf alle offenen Fragen zu finden und sie in diesem Artikel kompakt, leserfreundlich und werbefrei für dich zusammenzufassen. Das Inhaltsverzeichnis erleichtert dir dabei die Navigation. Ein Klick auf die Überschrift genügt und du springst direkt zum konkreten Kapitel.
Selbständiger Autor und Schriftsteller mit über 20 Jahren Erfahrung. Gründer von Traumdeutung123.de
Was passiert in unserem Gehirn, wenn wir träumen?
Um die Frage nach einer Beeinflussbarkeit unserer Träume wirklich seriös beantworten zu können, ist es zunächst einmal wichtig, Grundlagenarbeit zu betreiben. Die Basics verstehen, ein Fundament schaffen.
Was läuft in unserem Kopf also eigentlich ab, wenn wir träumen? Welche Mechanismen kommen zum Tragen? Welche Bereiche sind besonders aktiv, welche inaktiv?
Während wir schlafen, ruht sich unser Gehirn nachvollziehbarerweise aus. Die Aktivität nimmt deutlich ab, manche Funktionen sind verlangsamt oder gar ausgeschaltet.
- Der präfrontale Kortex ist für das logische Denken zuständig und macht im Schlaf eine Pause. Das erklärt, warum wir im Traum Dinge erleben, die völlig unrealistisch sind.
- Die primäre Sehrinde ist ein wichtiger Teil der Verarbeitungskette, welche die von der Netzhaut kommenden Informationen normalerweise durchlaufen.
In anderen Bereichen unseres Gehirns herrscht hingegen erhöhte Aktivität. Betroffen sind davon besonders die sogenannten sensorischen Regionen.
- Der assoziative visuelle Cortex sitzt in der Großhirnrinde und ermöglicht uns – einfach gesprochen – das Sehen.
- Die Amygdala ist quasi unser Emotionszentrum und während einer Traumphase auffallend aktiv.
- Der Hippocampus ist wiederum für unser Gedächtnis zuständig und fungiert als eine Art Zwischenspeicher, der am Abend mit allen Erlebnissen, Gedanken und Eindrücken des Tages gefüllt ist.
In der Nacht schlafen wir zwar und erholen uns von den Strapazen des Tages. In manchen Regionen unseres Gehirns ist aber ausgesprochen viel los. Besonders dann, wenn wir träumen.
Träumen wir nur in der REM-Phase?
Jede Nacht durchlaufen wir unterschiedliche Schlafphasen. Die berühmteste ist dabei wohl die REM-Phase. REM steht für „Rapid Eye Movement“ – also schnelle Augenbewegungen. Die sind in eben jenen Nachtabschnitten durch die geschlossenen Lider hindurch zu beobachten und sind ein Hinweis darauf, dass der Schlafende gerade intensiv träumt. Lange Zeit galt es als gesichert, dass wir nur in REM-Phasen träumen. Das hat die Forschung mittlerweile aber widerlegt. Tatsächlich können Träume in jeder Schlafphase auftreten. In der REM-Phase sind sie allerdings häufiger und meist auch lebhafter.
Wovon werden unsere Träume beeinflusst?
Auch wenn sich methodengeleitete Wissenschaftler seit knapp 150 Jahren mit der Schlafforschung beschäftigen, tappen sie in vielen Bereichen immer noch im Dunkeln. Die gängigste Annahme lautet heute, dass wir während des Träumens Dinge verarbeiten, die wir tagsüber erlebt haben – auch bekannt als sogenannte Kontinuitätshypothese.
Tatsächlich haben Untersuchungen gezeigt, dass rund 70 % der Trauminhalte emotional eher negativ behaftet sind. Wir verarbeiten im Schlaf also mehr belastende Dinge als positive Erfahrungen. Besonders Kinder berichten häufig von negativen Erlebnissen im Traum.
Kurz zusammengefasst, werden Träume also von unseren täglichen Erlebnissen beeinflusst. Manchmal stärker, manchmal weniger stark.
Träume selbst beeinflussen
Auf Basis der bisher in diesem Artikel gesammelten Informationen kann man behaupten: Ja, Träume lassen sich beeinflussen. Simpel ausgedrückt: Man muss einfach nur darauf achten, tagsüber so viele positive Erfahrungen wie möglich zu machen. Damit bekommt unser Gehirn überwiegend positiven „Treibstoff“ für unsere Träume.
Aber wie sammelt man nun genug Treibstoff? Wir haben acht Tipps für dich zusammengestellt, die sich in der Realität immer wieder bewährt haben.
Die von uns im weiteren Verlauf vorgestellten Tipps sind keine Garantie dafür, dass du deine Träume beeinflussen kannst! Ein Erfolgsversprechen gibt es nicht. Sie steigern lediglich die Wahrscheinlichkeit, dass du etwas Schönes träumst, und reduzieren das Risiko von Albträumen!
Tipp Nr. 1: Gedankenkontrolle und letzte Handlung
Es ist durchaus möglich, Träume bewusst zu beeinflussen, indem man seine Gedanken kontrolliert. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass wir von dem träumen, woran wir zuletzt aktiv gedacht haben.
Zwar können wir auch von alltäglichen Kleinigkeiten träumen, doch es ist sehr wahrscheinlich, dass wir beispielsweise einen Albtraum mit Zombies haben, wenn wir kurz vor dem Schlafengehen einen Zombie-Film oder eine entsprechende Serie geschaut haben. Dies zeigt, dass wir unsere Gedanken bewusst steuern sollten, wenn wir solche Träume vermeiden möchten.
Auch das, was wir kurz vor dem Schlafengehen tun, kann einen Einfluss auf unsere Träume haben. Wenn wir uns kurz vor dem Einschlafen mit Steuerunterlagen beschäftigen und an finanzielle Angelegenheiten denken, könnten wir schlechte Träume von Finanzen oder Verlustängsten haben. Beschäftigen wir uns dagegen mit Gedanken an einen schönen Urlaub oder einen Lieblingsort, ist es möglich, dass unsere Träume in diese positive Richtung gehen.
Durch das bewusste Steuern unserer Gedanken und Handlungen vor dem Schlafengehen können wir also einen erheblichen Einfluss auf den Inhalt unserer Träume haben.
Tipp Nr. 2: Die richtige Ernährung
Das Verdauen von ballaststoffreichen und „schwerem“ Essen bedeutet Schwerstarbeit für unseren Magen-Darm-Trakt. Nehmen wir kurz vor dem Schlafengehen eine entsprechende Mahlzeit zu uns, kommen wir in den ersten Nachtstunden nicht zur Ruhe. Diese Überforderung kann unter Umständen einen negativen Einfluss auf unsere Träume haben, weshalb es ratsam ist, stets nur ein leichtes Abendessen zu sich zu nehmen.
Tipp Nr. 3: Minimale Geräuschkulisse
Bestimmt hat jeder von uns schon einmal erlebt, wie ein markantes Umgebungsgeräusch in einen Traum eingewoben wurde. Läutet es in der Realität an der Tür, ist die Klingel auch im Traum zu hören. Oder es fährt ein Krankenwagen mit eingeschalteter Sirene vor dem Schlafzimmerfenster vorbei – und plötzlich ist der Wagen auch im Traum präsent. Derartige Vorkommnisse tragen nicht gerade zu einem erholsamen Schlaf bei.
Es ist deshalb ratsam, die Geräuschkulisse im Schlafzimmer so weit wie möglich zu minimieren. Führt ein Fenster auf eine stark befahrene Straße, ist dieses nach Möglichkeit geschlossen zu halten. Das Handy sollte in der Nacht ohnehin immer auf lautlos geschaltet werden.
Tipp Nr. 4: Angenehme Gerüche
So wie wir im Schlaf Geräusche wahrnehmen, tun wir das auch mit Gerüchen. Es handelt sich dabei doch um nichts anderes als einen Sinneseindruck. Manchmal riechen wir im Traum zum Beispiel Kaffee, um kurz nach dem Aufstehen zu bemerken, dass in der Küche tatsächlich jemand Kaffee gekocht hatte.
In unserem Gehirn bestehen starke Verbindungen zwischen Gerüchen und Emotionen bzw. Erinnerungen. Diese Erinnerungen lassen sich quasi „abrufen“. Du verbindest Räucherstäbchen mit einer fantastischen Zeit und positiven Emotionen? Dann ist es eine gute Idee, jeden Abend beim Schlafengehen eines der Stäbchen anzuzünden. Oder aber, du kannst beim Duft von Eukalyptus besonders gut entspannen. Dann erzeuge diesen Duft mit einem speziellen Öl und nimm so positiven Einfluss auf deine Gemütslage. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, von etwas Schönem zu träumen.
Tipp Nr. 5: Die Schlafposition
Welche ist deine liebste Schlafposition? Bist du eher ein Rücken- oder ein Bauchschläfer? Linke oder rechte Seite? Tatsächlich haben Studien gezeigt, dass die Schlafposition Einfluss auf unsere Träume haben kann.
So führt etwa die Bauchlage besonders oft zu sexuellen Träumen. Die Wissenschaftler vermuten, dass dies mit der Atmung in dieser speziellen Lage zu tun haben könnte. Auf der linken Seite zu schlafen, führt der Studie zufolge vermehrt zu Albträumen, Rechtsschläfer schlummern hingegen friedlicher.
Tipp Nr. 6: Nahrungsergänzungsmittel
Du bist, was du ist. Gilt das auch für Träume? Bis zu einem gewissen Grad ja. Untersuchungen haben gezeigt, dass bestimmte Nahrungsergänzungsmittel für besonders lebhafte oder bizarre Träume sorgen können.
Konkret geht es dabei um Vitamin-B6-Zusätze. Sie sollen die Intensität der Träume steigern. Außerdem fanden Schlafforscher heraus, dass die Einnahme von B-Vitaminen kurz vor dem Schlafengehen dafür sorgt, dass man sich am nächsten Tag besser an seine Träume erinnern kann.
Tipp Nr. 7: Der positive Abschluss
Träume werden maßgeblich von jener Gemütslage beeinflusst, mit der wir zu Bett gehen. Wer die Sorgen des Tages mit ins Bett nimmt, der läuft Gefahr, schlecht zu träumen. Viele kommen aber erst in den letzten Minuten des Tages dazu, sich näher mit ihren Gefühlen und Emotionen zu beschäftigen. Vorher fehlt dafür schlicht und einfach die Zeit. Vor diesem Hintergrund ist es eigentlich eine Überraschung, sofern man in der Nacht nicht unter unangenehmen Träumen leidet.
Nimm dir deshalb am Abend, wenn du bereits im Bett liegst, noch mal ein paar Minuten Zeit, um deinen Tag gedanklich positiv abzuschließen. Blicke zurück und überleg dir, was dir heute gut gefallen hat. In welchen Situationen hast du dich wohlgefühlt? Musstest du einmal besonders laut lachen? Wofür bist du dankbar? So gehst du mit einem positiven Gefühl aus dem Tag hinaus und in den Schlaf hinein. Das kann wiederum direkten Einfluss auf dein Traumverhalten haben.
Tipp Nr. 8: Bewusste Wiederholung
Oft ist es so, dass uns ein bestimmter Traum immer und immer wieder begegnet. Er verfolgt uns regelrecht. Diese speziellen Träume sind meist negativ behaftet. Kannst du dich grob an den Inhalt erinnern? Dann nimm dir Zeit, dich bewusst damit auseinanderzusetzen und alles nochmals zu durchleben.
Dadurch gelingt es dir unter Umständen, den Traum aus dem Unbewussten ins Bewusste zu holen und ihn auf diese Weise etwas zu „entschärfen“. Die Traumerlebnisse verlieren dadurch ihren Schrecken und du musst nicht mit dem bangen Gedanken im Kopf zu Bett gehen, dass im Schlaf wieder der ungute Traum auf dich warten könnte.
Von Menschen, die kürzlich mit dem Rauchen aufgehört haben, ist bekannt, dass sie besonders lebhaft träumen. Der Nikotin-Entzug regt nämlich tatsächlich nachweislich die Gehirnaktivität an. Auch die Einnahme von Antidepressiva lässt Menschen intensiver träumen. Allerdings können sich auch Albträume häufen. Studien haben gezeigt, dass die Medikamente die REM-Phase verstärkt. Wir raten dennoch klar davon ab, mit dem Rauchen zu beginnen und dann wieder aufzuhören, um deine Träume zu intensivieren. Das gleiche gilt für die Einnahme von Antidepressiva. Die sehr potenten Präparate sollten wirklich nur dann eingesetzt werden, wenn ein Arzt es empfiehlt.
Was ist eigentlich luzides Träumen?
Das Wort „luzid“ stammt ursprünglich vom lateinischen „lux“ oder „lucis“ ab und heißt nichts anderes als Licht.
Im Zusammenhang mit Träumen spricht man luzid (Englisch: lucid dream), wenn sich der Träumer bewusst ist, dass er träumt. Das Phänomen ist auch als „Klartraum“ bekannt. Warum wir es in diesem Artikel erwähnen? Weil der Träumende seinen luziden Traum aktiv beeinflussen kann. Fliegen wie ein Vogel? Kein Problem im luziden Traum! Das entscheidende Tor im WM-Finale erzielen? Luzides Träumen macht’s möglich!
Was beim Klartraum im Gehirn passiert, wie man seine Träume steuern und ob man diese Technik vielleicht sogar erlernen kann – damit beschäftigen wir uns an dieser Stelle allerdings nicht. Wir haben nämlich einen eigenständigen Artikel verfasst, der sich einzig und allein mit dem Phänomen der luziden Träume auseinandersetzt.
Möchtest du mehr über deine Träume wissen? Unsere persönliche Traumdeutung kann dir helfen, deine Träume besser zu verstehen. Durch eine individuelle Analyse erhältst du wertvolle Einsichten in deine Gefühle, Ängste und Ziele. Entdecke, was deine Träume dir sagen wollen, und nutze diese Erkenntnisse, um bewusster und erfüllter zu leben.
Zusammenfassung
Die ursprüngliche Frage nach der Beeinflussbarkeit unserer Träume kann mit einem „Ja!“ beantwortet werden. Wie so oft im Leben, kommt allerdings auch hier ein „aber“ hintennach. Wir bestimmen nur in den allerseltensten Fällen direkt, was wir träumen.
So richtig gezielt funktioniert das nur in sogenannten luziden Träumen. In allen anderen Situationen können wir bestimmte Dinge rund um den Traum beeinflussen. Oder besser gesagt, wir können es versuchen. Eine Garantie gibt es nämlich nicht.
Achte auf deine Ernährung und minimiere die Umgebungsgeräusche so weit wie möglich. Passe deine Schlafposition an, sorge für einen angenehmen Duft im Schlafzimmer und versuche es mit Vitamin-B.
Erinnere dich vor dem Schlafengehen bewusst an die positiven Dinge des abgelaufenen Tages und setze dich gezielt mit immer wiederkehrenden Träumen auseinander. So gelingt es dir vielleicht, deine Träume bis zu einem gewissen Grad zu beeinflussen.
Quellen:
- Dream Hacking: 9 Behaviors That Impact Your Dreams – amerisleep.com
- How Can You Control Your Dreams? – scientificamerican.com
- Dreaming and the brain: from phenomenology to neurophysiology – ncbi.nlm.nih.gov
Selbständiger Autor und Schriftsteller mit über 20 Jahren Erfahrung. Gründer von Traumdeutung123.de
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