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Luzides Träumen Anleitung

Wie ein Vogel durch die Luft gleiten? Von einem Hochhaus springen und unverletzt landen? Ein Erfolg im Sport erzielen? Alles möglich – und zwar in einem Klartraum!

Trotz aller wissenschaftlicher Beschäftigung bleiben die Abläufe hinter unseren Träumen bis heute weitestgehend unerklärt, wer allerdings die Technik des luziden Träumens beherrscht, der kann tatsächlich bis zu einem gewissen Grad Kontrolle über seine nächtlichen Abenteuer ausüben.

Wir beschäftigen uns in diesem Artikel näher mit dem Phänomen des Klartraums. Wie schaffen wir es, die Kontrolle über unsere Träume zu erlangen? Welche Vorteile liefert der Ansatz? Im vorliegenden Text möchten wir etwas Licht ins Dunkel bringen und dir eine Anleitung für luzides Träumen an die Hand geben. 

Unser Text ist leserfreundlich, verständlich und werbefrei. Wer sich speziell für ein bestimmtes Kapitel interessiert, der kann das Inhaltsverzeichnis nutzen, um mit nur einem Klick genau dorthin zu springen, wo er hinmöchte.

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Autor: Matthias Wiesmeier

Selbständiger Autor und Schriftsteller mit über 20 Jahren Erfahrung. Gründer von Traumdeutung123.de

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    Grundlagen: Was ist ein luzider Traum?

    Die Traumforschung ist ein durchaus interessantes, aber recht schwieriges – weil kaum greifbares – Feld. Ja, wir haben Vermutungen dazu, warum wir träumen und warum wir unsere Träume so schnell wieder vergessen. Wir können Areale in unserem Gehirn identifizieren, die während einer Traumphase besonders aktiv sind. Vieles verstehen wir aber noch nicht. Zum Beispiel, warum wir genau träumen, was wir träumen.

    Dabei gibt es eine Technik, die uns zum Regisseur unseres eigenen Traums macht. Wer sie beherrscht, der kann bestimmen, wohin die Traumreise gehen soll. Denn ein luzider Traum – auch als Klartraum bekannt – ist nichts anderes als ein Traum, in dem sich der Träumer bewusst ist, dass er träumt. Und nicht nur das. Er ist sich auch bewusst, dass er nach eigenem Entschluss handeln und endlich mal das tun kann, was er immer schon tun wollte!

    Und um die wichtigste Frage gleich vorweg zu beantworten: Ja, jeder kann luzide träumen. Die notwendigen Techniken sind erlernbar.

    Was bedeutet „luzid“?

    Die deutsche Bezeichnung „luzider Traum“ stammt vom englischen Terminus „lucid dream“. Dessen Ursprung liegt wiederum im Lateinischen „lux“ oder „lucis“ – was so viel bedeutet wie „Licht“. Ein luzider Traum ist übersetzt also ein Lichttraum.

    Luzides Träumen Techniken

    Anleitung und Übungen für einen Klartraum

    Wie so vieles im Leben ist auch luzides Träumen Übungssache. Das Erlernen der Technik funktioniert nicht von heute auf morgen, es braucht Zeit und Fokus. Je mehr man sich mit dem Thema beschäftigt, desto größer sind die Chancen, einen Klartraum zu erleben.

    Um eben genau diese Chancen zu erhöhen, kannst du einige der folgenden Übungen in deinen Alltag integrieren:

    Traumtagebuch

    Jeden Tag sofort nach dem Aufwachen seine Träume festzuhalten, kann nicht nur dabei helfen, immer wiederkehrende Traummuster zu identifizieren und Dinge aufzudecken, die einen im Unterbewusstsein beschäftigen. Wer sich die festgehaltenen Erinnerungen kurz vor dem Schlafengehen noch einmal durchliest, bereitet sein Gehirn langsam auf die Traumverarbeitung vor und geht auf einer ganz anderen Basis in die Nacht. Dadurch wird nicht nur das Traumgedächtnis geschult, sondern auch das Bewusstsein für einen luziden Traum geschärft.

    Schlafmantra

    Der US-amerikanische Psychologe Stephen LaBerge zählt zu den Pionieren im Bereich der Klarträume. Bereits in den 1980er-Jahren entdeckte er eine besonders wirkungsvolle Methode zum Erlernen der Technik vor: Das Schlafmantra. Seine Versuchspersonen hatten den Auftrag, sich vor dem Einschlafen immer wieder einen bestimmten Satz in Erinnerung zu rufen. Dieser lautete: „Das nächste Mal, wenn ich träume, werde ich mich daran erinnern, dass ich träume!“ Tatsächlich haben derartige Techniken der Autosuggestion einen größeren Einfluss auf uns, als wir vermuten würden. Ein wirkungsvolles Schlafmantra kann uns also dabei helfen, Kontrolle über unsere Träume zu erlangen.

    Reality Check

    Besonders in den ersten Wochen und Monaten ist dir oftmals nicht ganz klar, ob du jetzt träumst oder nicht. Deshalb musst du einen Reality Check durchführen. Ein einfaches Beispiel dafür ist, die Nase zuhalten. Kannst du dennoch weiteratmen, träumst du. Bekommst du keine Luft, bist du bereits wieder wach und befindest dich nicht mehr innerhalb eines Traums.

    Ganz wichtig ist, dass du die entsprechenden Techniken auf jeden Fall im Vorfeld einüben solltest. Sie sollen einen Überraschungseffekt darstellen und den Gesetzen der Physik/Biologie widersprechen. Führe die Reality Checks mehrmals pro Tag durch. So konditionierst du dein Gehirn entsprechend und gewöhnst es an die Aufgabe. Stelle dir im Alltag 10-15 Mal die Frage, ob du gerade träumst oder wach bist. Nimm dabei deine Umgebung bewusst wahr und achte darauf, ob sich etwas verändert oder nicht. Keine Veränderung bedeutet Realität, ungewöhnliche Veränderung bedeutet Traum.

    LaBerge und die MILD-Technik

    Noch einmal zurück zu Stephen LaBerge. Die hier vorgestellten Ansätze hat der Psychologe in der MILD-Methode zusammengefasst. Die Abkürzung steht für „Mnemonic Induced Lucid Dream“ – also gedächtnisinduzierter Klartraum.

    Noch einmal zurück zu Stephen LaBerge. Die hier vorgestellten Ansätze hat der Psychologe in der MILD-Methode zusammengefasst. Die Abkürzung steht für „Mnemonic Induced Lucid Dream“ – also gedächtnisinduzierter Klartraum.

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    Welche unterschiedlichen Klartraum-Techniken gibt es?

    Mit den vorgestellten Übungen haben wir die Basis für luzide Träume gelegt. Nun geht es darum, in der Praxis auch wirklich dorthin zu kommen, wo wir hinwollen: ins Klartraumland. Dafür kannst du dich unterschiedlichster Techniken bedienen, von denen wir die erfolgversprechendsten an dieser Stelle etwas näher vorstellen möchten. Die MILD-Methode kennst du ja bereits, jetzt folgen DILD, WILD und WBTB/WSIB.

    Bei externen Hilfsmitteln ist Vorsicht geboten!

    Neben den von uns im weiteren Verlauf vorgestellten Methoden gibt es noch andere Arten und Weisen, einen luziden Traum zu induzieren. Dabei handelt es sich allerdings um externe Hilfsmittel wie zum Beispiel elektronische Reize (visuelle und auditive Signale wie Licht oder Töne) bzw. psychotrope Substanzen. Besonders letztere stellen aber eine besondere Gefahr dar und sollten keinesfalls in Eigenregie getestet/angewendet werden. Wir behandeln die Themenbereiche in diesem Artikel deshalb auch gar nicht weiter.

    DILD-Methode

    Die Abkürzung DILD steht für „Dream Induced Lucid Dream“. Dahinter versteckt sich ein Klartraum, der aus einem „normalen“ Traum eingeleitet wird. Klingt kompliziert? Ist es aber gar nicht. Zentral ist, dass Träumer ganz normal einschlafen und sich während des Traums bewusst werden, dass sie träumen. Haben sie diese Erkenntnis getroffen, können sie in ihren Traum eingreifen, ihn verändern und beeinflussen.

    Der Oberbegriff DILD umfasst dabei unterschiedliche „klarheitsgewinnende“ Techniken. Den Themenbereich haben wir mit den „Reality Checks“ bereits gestreift. Ziel ist es, im Wachzustand das kritische Bewusstsein so weit zu trainieren, dass dieses auch in den Traumzustand übergeht. Die DILD-Methode ist vergleichsweise einfach zu erlernen. 

    Halte im Traum Ausschau nach folgenden Dingen:
    Im Wachzustand unmögliche Vorgänge.
    Unlogische Handlungen.
    Fehlerhafter Kontext (stimmt zum Beispiel die Wohnungseinrichtung nicht oder schreibst du wieder Abitur?).
    Wiederkehrende (Trauma)Inhalte.

    WILD-Methode

    Hinter der Abkürzung WILD versteckt sich der „Waking Initiated Ludic Dream“. Also der luzide Traum, der während des Einschlafvorgangs mit sogenannten bewusstseinswahrenden Techniken eingeleitet wird.

    Diese Variante ist allerdings nur etwas für absolute Profis. Ein WILD kommt in der Praxis ausgesprochen selten vor und lässt sich am ehesten mit einer Meditation vergleichen. Bis man diese Technik beherrscht, heißt es üben, üben und nochmals üben.

    Der Körper muss schlafen, das Bewusstsein hingegen im Hier und Jetzt bleiben. Im Grunde willst du mit der WILD-Methode deinen Organismus austricksen. Ziel ist der direkte Wechsel aus dem Wach- in den Traumzustand.

    Luzides Träumen DILD WILD

    WBTB- und WSIB-Methode

    Unsere Träume sind ungleich über den Nachtverlauf verteilt. Während wir in der ersten Hälfte relativ wenig träumen, geht es in der zweiten Hälfte immer intensiver zu. Wer nun also in diesem Zeitfenster aufwacht und danach wieder einschläft, erhöht die Chancen, direkt in eine dieser intensiven REM-Schlafphasen zu rutschen.

    Was man tun kann, um auch wirklich aufzuwachen?
    Vor dem Schlafengehen so viel Wasser trinken, dass man nach vier bis sechs Stunden von der vollen Blase geweckt und auf die Toilette muss.
    Wem das zu unsicher ist, der kann sich auch einfach einen Wecker stellen.

    Wichtig ist, nach dem Aufwachen NICHT sofort wieder einzuschlafen, sondern für rund 30 Minuten wach zu bleiben. Wir empfehlen dir, in dieser Zeit ein Buch zu lesen. Am besten zum Thema „Klartraum“, damit stimmst du Gehirn und Geist auf eben dieses Thema ein. Wenn dann zum Einschlafen wieder die MILD- oder die WILD-Methoden an und wiederhole mehrmals dein Schlafmantra!

    Finger weg vom Smartphone!

    Vorsicht: Greife während der 30-minütigen Wachphase keinesfalls zum Smartphone! Das würde deinen Rhythmus durcheinanderbringen und die Chance auf luzide Träume drastisch senken.

    WSIB-Methode?

    Eine abgeänderte Variante der WBTB-Methode ist die WSIB-Methode. Die Abkürzung steht für „Wake Stay in Bed“. Der zentrale Unterschied besteht also darin, dass der Träumende nach dem Aufwachen nicht aufsteht und auch nichts liest, sondern entspannt im Bett liegen bleiben kann und nach fünf bis 15 Minuten wieder einschläft. Diese Variante eignet sich besonders gut für Menschen, die über einen leichten Schlaf verfügen.

    Wissenschaftlich bewiesen

    Tatsächlich haben Untersuchungen der Universität Adelaide gezeigt, dass man luzides Träumen erlernen kann und die hier vorgestellten Techniken dabei hilfreich sind. In einem Versuch schnitt jene Gruppe am besten ab, die sowohl Reality Checks praktizierte als auch WBTB-Methoden anwendete und ein Traumtagebuch führte. Die Technik ist also für jedermann erlernbar!

    Hilfe bei Albträumen: Luzides Träumen in der Psychotherapie

    In der Wissenschaft herrscht so weit Konsens, dass der Zusammenhang zwischen der psychischen Verfassung und unseren Trauminhalten nicht infrage gestellt wird. Umgekehrt ist es so, dass besonders schlechte Träume auch Einfluss auf unsere körperliche Konstitution haben können.

    Wer immer wieder von Albträumen geplagt wird, der hat oft mit bleierner Müdigkeit, Angstzuständen, Schlafstörungen oder gar Herzproblemen zu kämpfen. In so einem Fall können Klarträume ein mächtiges Werkzeug sein, um wieder ein großes Stück Lebensqualität zurückzugewinnen.

    Luzide Träume und PTBS:

    Als besonders hilfreich haben sich luzide Träume in Zusammenhang mit einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) erwiesen. Betroffene spielen in ihren Albträumen das auslösende Trauma immer und immer wieder durch. Durch das Erlernen von Klartraumtechniken erlangen sie die Kontrolle über ihre Träume zurück und festigen ihre Selbstbestimmtheit. Das sorgt für eine riesige Erleichterung und eine tatsächliche Abmilderung des Traumas. Wer bewusst auf seine Albträume einwirken kann, fühlt sich weniger hilflos.

    Luzide Träume und Schizophrenie

    Untersuchungen haben gezeigt, dass Traumkontrolle tatsächlich im Rahmen einer Therapie von Schizophrenie gute Ergebnisse bringen können. Das erkrankte Bewusstsein des Patienten wird „beruhigt“ und trainiert, um wieder in geregelten Bahnen zu funktionieren.

    Sind luzide Träume gefährlich?

    Angesichts der präsentierten Vorteile von Klarträumen ist es nur vernünftig, nach etwaigen Schattenseiten zu fragen. Gibt es rund um das Thema auch Bedenken, Risiken oder Kritik? Die Antwort: Natürlich gibt es die.

    Erleben wir schöne Dinge immer häufiger in einer alternativen Traumwelt und immer seltener in der Realität, können wir unsere Empfindungen und Emotionen nicht mehr mit unserem Umfeld teilen. Den Menschen um uns herum ist es nicht möglich, nachzuvollziehen, was wir im Klartraum gemacht und gefühlt haben – weil sie es eben nicht selbst erlebt haben. Der soziale Kit des Alltags, der unsere unmittelbare Umgebung zusammenhält, geht verloren.
    Schlafstörungen:

    Wer sich immer und immer wieder selbst aus dem Schlaf reißt, der bringt seinen Schlaf-wach-Rhythmus womöglich nachhaltig durcheinander. Entsprechend kritisch wird vielerorts die WBTB-Methode gesehen. Entwickeln sich gar Schlafstörungen, ist der für unsre Psyche und unser Wohlbefinden so wichtigen Schlafhygiene auf jeden Fall Priorität einzuräumen.

    Realitätsverlust:

    Wer sich häufig in Klarträume flüchtet, der läuft Gefahr, den Bezug zur Realität zu verlieren. Betroffene entwickeln oft Probleme, zu unterscheiden, ob sie eine Erfahrung nun im Traum oder in der Wirklichkeit gemacht haben.

    Entfremdung:

    Erleben wir schöne Dinge immer häufiger in einer alternativen Traumwelt und immer seltener in der Realität, können wir unsere Empfindungen und Emotionen nicht mehr mit unserem Umfeld teilen. Den Menschen um uns herum ist es nicht möglich, nachzuvollziehen, was wir im Klartraum gemacht und gefühlt haben – weil sie es eben nicht selbst erlebt haben. Der soziale Kit des Alltags, der unsere unmittelbare Umgebung zusammenhält, geht verloren.

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    Persönliche Traumdeutung:

    Möchtest du mehr über deine Träume wissen? Unsere persönliche Traumdeutung kann dir helfen, deine Träume besser zu verstehen. Durch eine individuelle Analyse erhältst du wertvolle Einsichten in deine Gefühle, Ängste und Ziele. Entdecke, was deine Träume dir sagen wollen, und nutze diese Erkenntnisse, um bewusster und erfüllter zu leben.

    Zusammenfassung

    Träume sind so etwas wie ein Fenster zu unserem Unterbewusstsein. Eines, das immer wieder aufgeht und uns scheinbar völlig wahllos unzusammenhängende Erlebnisfetzen präsentiert.

    Soll heißen: In unseren Träumen sind wir in der Regel Passagier. Tatsächlich ist es aber möglich, sich die Kontrolle über seine Träume zu holen. Luzide Träume oder Klarträume zeichnen sich dadurch aus, dass sich der Träumende über die aktuelle Situation bewusst ist und im besten Fall Einfluss auf das „Drehbuch“ nehmen kann.

    Es gibt einige Techniken, die uns dabei helfen können, exakt diese Kontrolle zu erlangen. Zudem haben wir tagsüber die Möglichkeit, durch einige simple Übungen bereits eine gewisse Vorarbeit zu leisten und das Hinübergleiten in einen luziden Traum einfacher zu machen. Besonders von Alpträumen geplagte Menschen können vom Erlernen dieser Techniken profitieren. Und alle anderen haben einfach Spaß damit!

    Quellen:

    Bild von Autor: Matthias Wiesmeier
    Autor: Matthias Wiesmeier

    Selbständiger Autor und Schriftsteller mit über 20 Jahren Erfahrung. Gründer von Traumdeutung123.de

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