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Kind träumt schlecht
Wir alle kennen Sie: Albträume. Plagt uns ein solcher, gehen wir meist mit einem etwas konfusen Gefühl in den nächsten Tag. Wir stehen neben uns und kommen nicht so richtig in die Gänge. Kinder leiden ebenso unter Albträumen, können diese allerdings noch nicht wirklich einordnen bzw. verarbeiten. Tatsächlich ist es so, dass Kinder häufiger schlecht träumen als Erwachsene.
Was nun tun gegen Albträume? Wie geht man mit ihnen um? Wie kann man sein Kind bei der Aufarbeitung unterstützen? Welche andere Aufwachstörungen gibt es noch bei Kindern? Und lassen sich Albträume bei Kindern verhindern? Wir haben uns eingehender mit der Thematik auseinandergesetzt und unsere Rechercheergebnisse in diesem leserfreundlichen, umfassenden und werbefreien Artikel zusammengefasst.
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Selbständiger Autor und Schriftsteller mit über 20 Jahren Erfahrung. Gründer von Traumdeutung123.de
Warum haben Kinder Albträume?
Einen wirklichen Unterschied zwischen den Auslösern von Albträumen bei Kindern und bei Erwachsenen gibt es im Grunde nicht. In beiden Fällen sind es unverarbeitete Eindrücke des Tages, die auf diese unangenehme Art und Weise wieder ans Tageslicht kommen.
Was bei Kindern allerdings sehr wohl anders ist: Sie können zunächst nicht zwischen Einbildung und Realität unterscheiden. Diese Fähigkeit erlernen sie erst im Laufe der ersten Lebensjahre. Entsprechend beängstigend wirken Albträume auf sie. Die Kinder begreifen noch nicht, dass sie vor derartigen Erlebnissen keine Angst haben müssen und dass diese nicht real sind.
Haben Kinder häufig Albträume?
Wir alle träumen – und wir alle träumen manchmal schlecht. In ganz besonders intensiven Fällen plagen uns Albträume. Tatsächlich ist es nun aber so, dass diese Albträume speziell bei Kindern zwischen drei und sechs Jahren am häufigsten überhaupt auftreten.
Einer amerikanischen Studie zufolge hat etwa die Hälfte aller Kinder in dieser Phase sehr oft Albträume. Mit fortschreitendem Alter nimmt die Häufigkeit ab. Im Alter von sechs bis zwölf Jahren sind es allerdings noch immer rund 20 %.
Akuthilfe bei Albträumen: So hilfst Du deinem Kind!
Wenn dein Kind durch einen Albtraum aus dem Schlaf gerissen wird, ist guter Rat teuer. Der kleine Mensch befindet sich in einer emotionalen Ausnahmesituation, ist völlig verwirrt und verängstigt. Deshalb geht es im ersten Moment nur darum, Akuthilfe zu leisten. Das kannst du machen:
- Bleibe so lange bei deinem Kind, bis es sich wirklich wieder beruhigt hat. Ein lieb gemeintes „Ich bin im Nebenzimmer“ hilft in dieser Situation nichts. Dein Kind braucht dich jetzt direkt an seiner Seite.
- Ist dein Kind nach dem Albtraum verängstigt, wirkt Körperkontakt oftmals Wunder. Legt euch gemeinsam ins Bett und kuschelt eine Runde. Oder du nimmst deinen Schatz auf den Schoß und hältst ihn ganz fest. Wichtig ist jetzt, ein Gefühl der Geborgenheit zu vermitteln.
- Hör deinem Kind zu! Ermutige es, dir seinen Albtraum zu erzählen. So kann es die Eindrücke besser verarbeiten. Das geht allerdings nur, wenn das Kind auch darüber sprechen mag bzw. sich überhaupt noch erinnert. Möchte es nicht, ist das völlig in Ordnung!
- Wiederhole immer wieder, dass ein Albtraum nicht real ist und dass kein Grund zur Sorge besteht. Dein Kind wird das zu Beginn vermutlich nicht glauben oder mit der Information recht wenig anfangen können. Durch Wiederholung setzt sich der Gedanke allerdings im Kopf fest.
- Schaffe eine sichere Umgebung, indem du zum Beispiel das Nachtlicht einschaltest oder deinem Kind sein Lieblingskuscheltier bringst. Der treue Begleiter spendet Trost und macht es dadurch einfacher, wie einzuschlafen.
Albträume gemeinsam mit Kindern verarbeiten
Die Nacht ist überstanden, trotz Albträumen konnte das Kind wieder einschlafen. Allerdings weiß jeder, der selbst einmal einen Albtraum hatte, dass man sich am nächsten Tag immer noch etwas mitgenommen fühlt und doch merklich durch den Wind ist. Deinem Kind geht es genauso!
Während wir Erwachsenen im Laufe unseres Lebens gelernt haben, mit derartigen Gefühlen umzugehen, und sie verhältnismäßig rasch von uns wegschieben bzw. sie verarbeiten können, verfügt unser Nachwuchs noch nicht über diese Fähigkeit. Deshalb ist es umso wichtiger, gemeinsam mit deinem Kind dessen Albträume zu behandeln. Dabei kommt die sogenannte Imagery Rehearsal Therapy (IRT) ins Spiel.
Was ist die Imagery Rehearsal Therapy?
Die IRT ist ein sogenanntes imaginatives Verfahren. Also ein mentaler Prozess, bei dem bestimmte ebenso mentale Bilder erzeugt werden. Ursprünglich wurde es für die Behandlung von Alpträumen jener Patienten entwickelt, die unter einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) leiden.
Wie die Imagery Rehearsal Therapy funktioniert und warum sie ein guter Ansatz für die Aufarbeitung von Albträumen ist, erklären wir hier etwas genauer.
- Im Grunde geht es darum, das Erlebte/Geträumte zu wiederholen – dem Geschehen allerdings ein anderes Ende zu verpassen.
- Diese neue Geschichte wird mindestens einmal täglich wiederholt, was zur Folge hat, dass der ursprüngliche Albtraum immer seltener auftritt.
- Die Wissenschaft vermutet, dass er Ausgangs-Albtraum mit der neuen, weniger bedrohlichen Geschichte im Gedächtnis quasi überschrieben wird.
- Ein anderer Erklärungsansatz: Die betroffene Person fühlt sich ihren Träumen nicht mehr hilflos ausgeliefert und bekommt so mehr Kontrolle über eben diese Träume.
Und warum wirkt die Imagery Rehearsal Therapy nun derart gut gegen Albträume? Welche Abläufe setzt sie im Gehirn in Gang? Grundsätzlich sind es zwei Wirkmechanismen, die von der IRT getriggert werden.
Konfrontation
Der Betroffene hat nicht die Möglichkeit, den Albtraum von sich wegzuschieben und unter den Tisch fallen zu lassen. Das hilft nämlich nur oberflächlich. Tief drinnen bleiben die Erfahrungen präsent und beschäftigen unsere Psyche weiterhin. Im Grunde ist die Nacherzählung des Traums nichts anderes als eine Expositionstherapie. Dieser Ansatz wird besonders bei der therapeutischen Überwindung von Ängsten und Phobien gerne gewählt. Sich nur auf die Konfrontation zu konzentrieren kann im Fall von Albträumen allerdings negative Auswirkungen haben. Sie treten zwar seltener auf, sind aber weiterhin so belastend wie eh und je.
Imagination
In der IRT verpasst der Betroffene seinem Albtraum ganz einfach ein neues Ende. Er imaginiert einen anderen, besseren, positiveren Ausgang und meistert sozusagen seinen Albtraum durch Eigeninitiative. Deshalb ist der Abschnitt der Imagination auch als „Mastery“ bekannt. Die Neuschreibung bewirkt sowohl eine Reduktion der Albtraumfrequenz und der Albtraumbelastung als auch eine Steigerung der Selbstwirksamkeit. Betroffene bekommen mehr Selbstsicherheit und Zuversicht im Angesicht belastender Erlebnisse und Erinnerungen.
So funktioniert die Praxis:
Soweit die Theorie. Wie sieht die Umsetzung der Imagery Rehearsal Therapy zur Entschärfung von Albträumen bei Kindern in der Praxis aus?
- Konfrontation: Bitte dein Kind, seinen Albtraum zu malen. Ältere Kinder können ihn natürlich auch aufschreiben. So verschwindet die Belastung nicht im Unterbewusstsein, sondern wirkt aktiv bearbeitet.
- Bewältigung: Frag dein Kind nun, welches Ende es sich für den Albtraum wünschen würde. Soll ein Superheld das Monster besiegen? Soll ein Zauberer einen Schutzschirm erscheinen lassen? Ist das Monster eigentlich lieb, sitzt am Ende mit allen am Tisch und isst Kuchen? Hier gibt es kein richtig oder falsch. Erlaubt ist, was dem Kind einfällt – und vor allem, was es glücklich macht! Kreativität ist Trumpf!
- Wiederholung: Wurde das positive Alternativszenario einmal festgelegt, ist es wichtig, diese Version über einen bestimmten Zeitraum täglich zu wiederholen. Zwei Wochen lang fünf bis zehn Minuten pro Tag sollten ausreichen.
Diese Vorgehensweise ist bestens dafür geeignet, immer wiederkehrende Albträume zu entschärfen und sie mit der Zeit zu verändern. Du kannst sie aber natürlich auch bei einmalig auftretenden schlechten Träumen einsetzen. Ob das tatsächlich nötig ist oder nicht, musst du selbst entscheiden. Du kennst dein Kind am besten und weißt genau, ob der Albtraum es im Alltag belastet oder ob es die Erfahrung bereits überwunden hat. Braucht dein kleiner Schatz Hilfe bei der Verarbeitung, ist die Imagery Rehearsal Therapy auf jeden Fall ein erfolgversprechender Ansatz.
Eine andere, aber ähnliche Vorgehensweise: Den Traum aufzeichnen oder aufschreiben, allerdings ohne alternatives Ende. Das fertige Werk kann dann in kleine Fetzen zerrissen und entsorgt werden. So verschwindet der Schrecken auf (hoffentlich) Nimmerwiedersehen!
Welche anderen Aufwachstörungen sind für Kinder typisch?
Das menschliche Gehirn verändert sich speziell in den ersten Lebensjahren teils drastisch. Entsprechend überrascht es nicht, dass Aufwachstörungen besonders häufig in diesem Zeitraum auftreten. Fieber, Übermüdung, Stress und andere Belastungen triggern sie übrigens zusätzlich.
Wir haben uns für Sie angesehen, welche Aufwachstörungen für Kinder besonders typisch sind und ob Grund zur Sorge besteht. (Kleiner Spoiler: Das tut er in den allerseltensten Fällen!)
Schlaftrunkenheit
Auch als partielles (teilweises) Erwachen bekannt, tritt meistens bei Säuglingen und Kleinkindern auf. Ältere Kinder sind nur gelegentlich betroffen. Der Nachwuchs befindet sich dabei in einer Art Übergangszone zwischen Wachen und Schlafen. Das Kind sitzt oder steht im Bett, führt Handlungen aus und wirkt so, als wäre es wach.
Allerdings können Eltern in einem derartigen Moment nicht zu ihrem kleinen Liebling durchdringen. Entsprechende Versuche werden oft entschieden, manchmal sogar aggressiv zurückgewiesen. Es bleibt nichts anderes übrig, als darauf zu warten, dass sich das Kind von selbst wieder beruhigt und sich während dieser Phase nicht verletzt. Das kann bis zu einer Viertelstunde dauern. Am Ende wacht der Betroffene kurz auf und schläft dann sofort wieder ein. Schlaftrunkenheit wirkt zwar beängstigend, ist aber vollkommen harmlos. Eine Behandlung ist nicht erforderlich.
Nachtschreck
Tritt am häufigsten im Alter zwischen zwei und sechs Jahren auf und kann den Eltern einen gehörigen Schrecken einjagen. Der „Pavor nocturnis“ zählt zu den am weitesten verbreiteten Aufwachstörungen im Kindesalter.
Betroffene schrecken mit einem lauten Schrei völlig unerwartet aus dem Schlaf hoch und beginnen zu weinen. Das Kind ist meist schweißgebadet und atmet heftig, der Puls rast. Beruhigungsversuche sind wirkungslos und verschlimmern die Situation oftmals noch zusätzlich. Nach einigen Minuten hat der Spuk ein Ende, das Kind schläft wieder ein und kann sich am nächsten Morgen an nichts erinnern.
Der Nachtschreck ist unschön anzusehen, im Grunde aber völlig harmlos. Elter bleibt nichts anderes übrig, als die Situation durchzustehen und darauf zu achten, dass sich das Kind währenddessen nicht verletzt.
Schlafwandeln
Tritt allein oder in Kombination mit dem „Pavor nocturnis“ auf. Die Wissenschaft vermutet heute, dass es eine genetische Veranlagung für das Schlafwandeln gibt. Meist lässt das Schlafwandeln nach, je älter das Kind wird.
Grundsätzlich ist diese Aufwachstörung ebenfalls harmlos, allerdings lauert rund um die nächtlichen Ausflüge eine nicht zu unterschätzende Unfallgefahr. Entsprechend sollten Eltern von Schlafwandlern die Wohnung möglichst kindersicher machen. Ein Glöckchen an der Kinderzimmertür zeigt an, wenn diese geöffnet wird. Schlafwandler sollten nur mit äußerster Behutsamkeit wieder ins Bett zurückgeführt werden.
Dem Kind am nächsten Morgen von seinem nächtlichen Ausflug und den dabei lauernden Gefahren zu erzählen, ist übrigens keine gute Idee. Dadurch können unter Umständen zusätzliche Ängste aufgebaut bzw. ausgelöst werden.
Aufwachstörungen: Wann mit dem Kind zum Arzt?
In den allermeisten Fällen sind Aufwachstörungen vollkommen harmlos und verschwinden mit zunehmendem Alter wieder. Allerdings gibt es Settings, die einen Arztbesuch durchaus ratsam wenn nicht sogar nötig machen. Dazu zählen:
- Das Verhalten des Kindes ist besonders aggressiv, weshalb eine erhöhte Verletzungsgefahr besteht.
- Das Verhalten tritt über einen längeren Zeitraum jede Nacht auf.
- Das Kind leidet unter ausgeprägter Tagesmüdigkeit.
- Alle anderen Familienmitglieder werden stark beeinträchtigt.
Kann man Albträumen vorbeugen?
Wirklich verhindern lassen sich Albträume leider nicht. Was du aber tun kannst: Sorge dafür, dass dein Kind möglichst entspannt einschläft.
Sprich beim Einschlafen mit deinem Kind über die Erlebnisse des Tages. Was war heute schön? Worüber hat es sich heute gefreut? Was hat es vielleicht geärgert?
Feste Rituale und Schlafengehenzeiten bringen Struktur in den Tagesschluss. Sie signalisieren dem Kind, dass es langsam Zeit für das Bett ist und ermöglichen ein sanftes Hinübergleiten aus der Geschäftigkeit des Tages hinein in den Abend/die Nacht.
Eine Gute-Nacht-Geschichte oder ein Gute-Nacht-Lied tragen zu einer entspannten Atmosphäre bei und sorgt auch im Unterbewusstsein für Ruhe.
Natürlich gibt es auch einige No-Gos, auf die man vorm Schlafengehen auf jeden Fall verzichten sollte. Fernsehen und Computerspiele wirken aufwühlend. Besonders dann, wenn der Inhalt nicht kindgerecht ist. Dadurch steigt die Gefahr von Albträumen. Das kleine Gehirn muss die Eindrücke ja irgendwie verarbeiten. Überhaupt sollten die letzten Stunden vor dem Zu-Bett-Gehen gänzlich ohne digitale Medien gestaltet werden.
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Zusammenfassung
Albträume kennen wir alle. Wir wissen allerdings, wie man damit umgeht. Kinder wissen das (noch) nicht und benötigen deshalb bei der Aufarbeitung entsprechend Unterstützung.
Die kannst du deinem Kind geben, indem du im Akutfall richtig reagierst, es beruhigst, mit ihm kuschelst und dich vielleicht zu ihm ins Bett legst. Außerdem kann das Lieblingskuscheltier als Wächter die schlechten Träume fernhalten. Reicht das nicht aus und leidet dein Kind unter immer wiederkehrenden Albträumen, ist eine gezielte Auseinandersetzung damit ratsam. Zeichnet oder schreibt gemeinsam die angsteinflößende Geschichte auf, gebt ihr aber ein neues, positives Ende!
Wiederholt die Story dann rund zwei Wochen lang jeden Tag. Wirklich verhindern lassen sich Albträume nicht, wenn du für eine entspannte Stimmung vor dem Schlafengehen sorgst, kannst du die Wahrscheinlichkeit aber zumindest senken!
Quellen:
- Alpträume bei Kindern Nightmares in Children Author(s) / Creator(s) Schredl, Michael Pallmer, Ruth – https://psycharchives.org
- Longitudinal Study of Bad Dreams in Preschool-Aged Children: Prevalence, Demographic Correlates, Risk and Protective Factors – ncbi.nlm.nih.gov
- Nightmare prevalence, distress, and anxiety among young … – researchgate.net
- Prevalence of nightmares and their relationship to psychopathology and daytime functioning in insomnia subjects – pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
Selbständiger Autor und Schriftsteller mit über 20 Jahren Erfahrung. Gründer von Traumdeutung123.de
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